«Hey, Papa» Gespräch mit Christian Kramer

Dürfen wir vorstellen?

Christian Kramer wurde das Thema Food quasi in die Wiege gelegt. Er stammt aus einer Gastrofamilie und war bereits als Schüler in diversen Betrieben seiner Eltern tätig. Als Unternehmer setzt er sich heute gezielt für das Thema Nachhaltigkeit im Food und Gastrobereich ein: Er ist CEO und Co-Founder von FOOD2050. Er ist Papa von einer Tochter.

Nur kurz vorweg, kannst du uns erklären, worum es bei FOOD2050 geht? Was möchten deine Geschäftspartner und du bewirken?

FOOD2050 fördert nachhaltigere Lebensmittelsysteme durch die Bewertung und Optimierung von Rezepten im Lebensmittelsektor, die den Verbrauchern eine bessere Auswahl ermöglichen und es den Unternehmen leichter machen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Was sind für dich als Unternehmer und Vater die grössten Herausforderungen im Alltag?

FOOD2050 ist ein sehr junges Unternehmen und funktioniert sehr ähnlich wie ein Kleinkind. Es braucht viel Betreuung und Zuneigung und man muss stets agil bleiben, da täglich Unerwartetes auf einem zukommt. Konkret heisst das, dass man konstant am Jonglieren ist und die Prioritäten immer wieder neu setzen muss. Da meine Frau ebenfalls 100 Prozent arbeitet, ist das nicht immer ganz einfach, speziell wenn der Anruf der Kita kommt, dass das Kind Fieber hat und zeitnahe abgeholt werden soll. Nebst der Kinderbetreuung und dem Unternehmensaufbau sehe ich die grösste Herausforderung in der Pflege der Partnerschaft und des Freundschaftskreises. Es bleibt nicht mehr viel Zeit dafür und oftmals sind die Prioritäten nicht mehr ganz dieselben wie sie es vor dem Elternsein waren.

Was sind Momente im Leben deiner Tochter, die du auf keinen Fall verpassen möchtest?

Ich finde es wahnsinnig toll die Entwicklung meiner Tochter mitzuerleben und vor allem Entdeckungsmomente mit ihr teilen zu können. Diese sind meistens nicht planbar und äussern sich in verschiedensten Alltagsmomenten. Daher versuche ich jeden Tag Zeit mit ihr zu verbringen und kriege so oftmals die WOW Momente mit. Zukünftig wird es aber sicherlich auch viele Ereignisse geben die ich klar nicht verpassen will, z.B. erster Schultag, erster wackliger Zahn, gemeinsame Hobbies, etc.

Was hat dir keiner gesagt, bevor du Vater wurdest?

Wie viel Zeit das erste Jahr beansprucht. «Glücklicherweise» wurde Lucie während der Pandemie geboren, was uns erlaubt hat mehr Zeit zuhause zu verbringen und auch das Arbeitsvolumen war entsprechend kleiner. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können wie viel Zeit man effektiv mit den Kindern verbringen will.

Deine Frau kommt aus Kanada. Wie wirkt sich der unterschiedliche kulturelle Background auf eure Kindererziehung aus?

Wir haben ganz klar unsere Differenzen in der Erziehung. Ich bin mir aber nicht so sicher wie stark diese von kultureller Natur sind. Ich denke der kulturelle Unterschied zeigt sich eher in der Ansicht meiner Frau wie das staatliche Fundament für Familien aussehen sollte. Da tickt Kanada doch ganz anders als die Schweiz.

Inwiefern denkst du, dass sich die Rolle des Vaters und die damit verbundenen gesellschaftliche Erwartung in den letzten paar Jahren verändert hat?

Die Rollenverteilung ist sicherlich nicht mehr dieselbe wie sie es bei meinen Eltern war und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Meine Frau hat ganz klar den Anspruch sich beruflich entwickeln zu können und diese Chance soll sie auch haben, sofern die berufliche Tätigkeit beider Eltern eine adäquate Kindererziehung erlaubt. Falls nicht, muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Ich denke unser System muss es beiden Elternteilen erlauben ihre Verantwortung wahrnehmen zu können und wenn es aus Systemgründen, wie z.B. kurzem Vaterschaftsurlaub nicht möglich ist, dann erschwert das eine faire Rollenverteilung. Ich denke aber, dass diesbezüglich ein Umdenken stattfindet, die konkreten Systemanpassungen aber lange dauern werden und somit die Schweiz noch lange hinterherhinken wird.

Was möchtest du als Papa in Zukunft besser machen und worin bist du ganz gut?

Ich möchte das Gleichgewicht zwischen meiner Tochter (und allfälligen zukünftigen Kindern 😉 ), der Partnerschaft und einem gemeinsamen Weg für die Erziehung finden können. Was schon ganz gut läuft ist die Umstellung meines Tagesrhythmus. Ich war eigentlich nie ein Frühaufsteher und bin oft sehr spät schlafen gegangen. Das hat sich zwischenzeitlich komplett geändert und ich passe mich mittlerweile sehr gerne Lucie’s Rhythmus an.

Welchen Ratschlag wirst du deiner Tochter eines Tages geben, wenn es um ihre berufliche Entwicklung geht?

Da mache ich mir öfters mal Gedanken und habe selber auch noch viele Fragen. Das ist nicht ganz so einfach, aber aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass man sich trauen sollte Neues auszuprobieren und bereit sein muss Fehler zu machen. Fast immer findet man eine Lösung, egal wie schwierig die Herausforderung ist.

Awina ist die Partnerin während der Rushhour of Life. Sie unterstützt junge Familien bei der Kita- Finanzierung und setzt sich für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf & Familie ein. Wie aber sieht Vereinbarkeit eigentlich im Alltag aus? In der Serie «Hey, Mama», «Hey, Papa» sprechen berufstätige Eltern offen über ihre Erfahrungen und Herausforderungen als Working Parents und geben Einblick, wie sie persönlich Kind und Karriere unter einen Hut bringen.

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