Hinter den Kita-Kulissen: So funktioniert flexible Kinderbetreuung bei Tadah

Einblick in Coworking Space Tadah

Wer sein Kind in eine Kita bringt, möchte nicht nur, dass es qualitativ hochwertige Betreuung bekommt und gefördert wird – sondern wünscht sich auch als Elternteil höchste Flexibilität. Mit «Tadah» ist in der Schweiz ein Coworking Space mit Kinderbetreuung entstanden, der genau dies erfüllt. Mit Mirjam Stauffacher Jutzi, Leitung des «Tadah Kids Space», durften wir einen Blick hinter die Kulissen der innovativen Kita werfen – und uns darüber unterhalten, was sich in Sachen Kinderbetreuung in der Schweiz ändern sollte.

Tadah» nennt sich  «Co-Working mit Kinderbetreuung». Was können sich Eltern darunter vorstellen?

Unser Konzept verschreibt sich ganz der Flexibilität und damit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist ein Bedürfnis, das viele Eltern haben und das nicht alle Kitas erfüllen können. Bei uns gibt es keinen Vertrag mit fixen Tagen. Eltern können ihr Kind nach Bedarf an Wochentagen halb- oder ganztags betreuen lassen. Dies wird uns mindestens 48 Stunden zuvor kommuniziert, damit wir die Betreuung gewährleisten können. Wir richten uns dabei an alle Eltern, die keinen 9 to 5 Job haben und Flexibilität im Berufsalltag benötigen.

Wie können Eltern ihr Kind bei euch anmelden? Was ist anders als bei anderen Kitas?

Zuerst erstellen sie bei uns auf der Website ihr Profil. Dort machen sie auch alle Angaben zu den Gewohnheiten und Bedürfnissen des Kindes. Natürlich dürfen die Eltern  auch gerne vorher bei uns reinschauen. Wir haben jeden letzten Montag im Monat eine Besichtigung. Am gebuchten Tag bringt meist ein Elternteil das Kind in den «Tadah Kids Space» und bleibt, je nach Bedürfnis des Kindes und des Elternteils, so lange, bis sich beide Seiten wohl fühlen. Danach geht’s für Mama oder Papa in den 2. Stock zum Coworking.

Wie seid ihr aufgestellt, um die hohe Flexibilität gewährleisten zu können?

Momentan sind wir zwei festangestellte Mitarbeiterinnen, die je zu 100% in der Kinderbetreuung arbeiten. Gemeinsam haben wir über 25 Jahre Berufserfahrung in der Erziehung. Es ist uns sehr wichtig, dass im Kids Space professionelle Betreuerinnen arbeiten. Wenn wir an einem Tag überdurchschnittlich viele Buchungen haben, haben wir zwei Aushilfen, welche regelmässig kommen und die Kinder ebenfalls kennen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Mein Arbeitstag beginnt damit, zuerst einmal online zu checken, welche Kinder zu uns kommen und alles für den Tag vorzubereiten. Danach nehme ich die Kinder entgegen und spreche mit den Eltern. Nach der Verabschiedung begleite ich die Kinder ins Spiel oder zu einer geführten Aktivität. Unser restlicher Alltag wird von den Kindern und ihren Interessen geleitet. Ausser den festen Essenszeiten und den dazugehörigen Ritualen ist unser Tagesablauf sehr offen. Als Leiterin organisiere ich aber auch Feriencamps, rekrutiere Personal und führe das  Qualitätsmanagement. Ein hoher pädagogischer Standard ist mir sehr wichtig.

Was ist an deinem Arbeitsalltag besonders herausfordernd?

Die hohe Flexiblität macht unsere Tagesplanung nicht immer einfach. Aktivitäten oder Spielplatzbesuche zu planen, ist eine Herausforderung, weil die Kinder nicht um 8 Uhr kommen und ab 17 Uhr abgeholt werden.

Und was besonders bereichernd?

Ich finde die Arbeit mit den Kindern an und für sich schon sehr bereichernd. Da die Eltern vertraglich nicht an uns gebunden sind, ist es auch jedes Mal, wenn sie wieder kommen, ein positives Feedback für uns. Auch zu hören, dass Kinder zu Hause fragen, wann sie wieder zu uns in den Kids Space dürfen, ist wunderschön.

«Tadah» ist noch ein relativ junges Angebot in der Schweiz. Was hat dich beim Start besonders überrascht oder gefreut?

Ich hätte nicht erwartet, dass meine Mitarbeiterin und ich uns so schnell an das flexible Konzept gewöhnen. Zudem hat es mich positiv überrascht, wie rasch sich die Kinder bei uns eingewöhnen. Unter anderem auch, da eine mindestens zweiwöchige Eingewöhnung für die Kinder oft Standard ist, was es bei uns nicht gibt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Kinder ganz individuell darauf reagieren. Nun sehe ich das Ganze viel lockerer. Ausserdem haben wir den Vorteil, dass die Eltern ja alle im gleichen Gebäude arbeiten. Falls etwas sein sollte, sind sie schnell bei uns.

Was sollten Eltern mit kleinen Kindern deiner Meinung nach zum Thema Kinderbetreuung unbedingt wissen?

Kitas sehen sich im Optimalfall als Ergänzung zur Familie. Auch wenn wir Fachpersonen sind, sind die Eltern immer noch die Experten für ihr eigenes Kind. Auf das eigene Bauchgefühl zu hören ist meist die richtige Entscheidung.

Was ist ganz generell deine Ansicht zur aktuellen Situation der externen Kinderbetreuung in der Schweiz – sowohl für Eltern, wie auch für Kitas?

Für die Eltern ist die finanzielle Belastung kaum stemmbar, gleichzeitig ist der Lohn für die Betreuungspersonen viel zu niedrig. Bei beiden Punkten gibt es noch viel Optimierungsbedarf.

Was würdest du in diesem Bereich gerne ändern?

Ich würde die Kleinkinderbetreuung gerne ins Schulsystem involvieren. Die Familien würden durch die höhere staatliche Subventionierung finanziell entlastet und die Kitas könnten mit besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen Anreize schaffen, welche für qualifiziertes und gutes Personal attraktiv sind.

Mirjam Stauffacher-Jutzi ist von Beginn an im «Tadah Kids Space» dabei und leitet diesen seit 2020. Als diplomierte Fachfrau Betreuung ist sie für das gesamte Betreuungsangebot zuständig – vom flexiblen Kita-Angebot bis zur Spielgruppe.

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