Wohnmodelle, Erziehung und Finanzen – 5 Fragen rund um die Trennung

Daran denken möchten die meisten Eltern kaum – dennoch ist eine Trennung oder Scheidung für jedes zehnte Elternpaar in der Schweiz Realität. Eine Trennung kann nicht nur emotional, sondern auch finanziell und organisatorisch eine grosse Herausforderung sein. Wie organisieren wir die Kinderbetreuung? Welches Wohnmodell passt zu uns und unseren Kindern? Muss ich mehr arbeiten? Wir klären die wichtigsten fünf Fragen rund um die Familienorganisation nach der Trennung. 

Eine Trennung oder Scheidung ist für die meisten Eltern eine schwierige Zeit, besonders dann, wenn die gemeinsamen Kinder noch klein sind. Als Eltern müsst ihr nicht nur das Ende eurer Beziehung verarbeiten und euch um die Kinder kümmern, sondern auch das Leben ganz neu organisieren – und zwar so, dass die Kids möglichst wenig unter der Trennung leiden. Keine einfache Aufgabe, die viele Fragen und Unsicherheiten mit sich bringt.

Nestmodell, Wechselmodell, Residenzmodell – wie wohnen wir unsere Kinder? 

Nach einer Trennung oder Scheidung bleiben die meisten Kinder in der Schweiz bei der Mutter: So gibt es hierzulande etwa fünfmal mehr Einelternhaushalte mit Müttern als mit Vätern. Das muss aber nicht heissen, dass das sogenannte Residenzmodell, bei dem die Kinder fix bei einem Elternteil leben, für alle Familien die beste Lösung ist. Heute gibt es ganz unterschiedliche Wohnmodelle, von denen ihr als Eltern die Option wählen könnt, die für euch und eure Kinder am besten geeignet ist und die am besten zu euren Lebensentwürfen passt.

  • Das Residenzmodell: Mama- und Papawochenende

Nach wie vor entscheiden sich die meisten getrenntlebenden Eltern für das Residenzmodell. Hier leben die Kinder nach der Trennung bei einem Elternteil – meist bei der Mutter – und verbringen jede Woche oder alle zwei Wochen einige Tage beim anderen Elternteil. Der Vorteil: die Kinder haben einen geregelten Alltag in einer vertrauten Umgebung und eine klare Betreuungsstruktur. Allerdings verbringen sie mit einem Elternteil viel weniger Zeit und sind so stärker an den Elternteil, bei dem sie die meiste Zeit wohnen, gebunden. Für den anderen Elternteil kann es schwierig sein, eine starke Bindung zu den Kindern aufzubauen und am Alltag teilzuhaben. 

  • Das Wechselmodell: 50/50 von Mama und Papa betreut 

Beim Wechselmodell verbringen die Kinder genau gleich viel Zeit bei jedem Elternteil. Die Kinder haben zwei Zuhause, zwei Zimmer, zwei Alltage. Je nachdem, welche Lösung für euch am besten geeignet ist, verbringen die Kinder Wochentage oder ganze Wochen abwechselnd bei Mama oder Papa. Das Wechselmodell hat den Vorteil, dass ihr als Eltern beide gleich stark am Leben eurer Kinder teilhaben könnt, gleich präsent seid und gleich viel Verantwortung übernehmt. Allerdings müsst ihr dann aber auch in der Nähe wohnen, sodass ihr euer Kind nicht immer wieder aus ihrem sozialen Umfeld reisst und es in der gleichen Krippe, dem gleichen Kindergarten oder der gleichen Schule bleiben kann. 

  • Das Nestmodell: ein Zuhause für die Kinder, eins für die Eltern 

Etwas neuer, aber immer beliebter ist das Nestmodell. Hier bleiben die Kinder in ihrem vertrauten Zuhause, die Eltern betreuen sie abwechslungsweise in ihrem «Nest». Das bedeutet: es muss eine Wohnung für die Kinder geben, ihr habt als Eltern aber jede*r für sich auch noch ein eigenes Zuhause, in dem ihr lebt, während der jeweils andere Elternteil die Kinder im «Nest» betreut. Eine tolle Lösung für die Kinder: sie müssen nicht pendeln, haben ein stabiles, gewohntes Zuhause, bleiben in ihrem sozialen Umfeld und werden doch gleichermassen von Mama wie auch von Papa betreut. Nicht immer ist es aber finanziell leicht umzusetzen. Schliesslich müsst ihr die Miete für das «Nest» der Kinder und für euer eigenes Zuhause stemmen können. 

Wie sieht es mit den Alimenten aus?

Die Finanzen sind ein grosses Thema, wenn es zur Trennung oder zur Scheidung kommt. Wenn ihr euch scheiden lässt oder einen Konkubinatsvertrag abgeschlossen habt, sind die meisten finanziellen Dinge bereits schriftlich geregelt. Zum einen müssen Ehepartner*innen Unterhalt bezahlen, zum anderen aber auch Kindesunterhalt (Alimente). Die Alimente werden auch dann fällig, wenn ihr nicht verheiratet wart. Sie decken den Unterhalt des Kindes bis zur abgeschlossenen Erstausbildung ab, also das Essen, die Kleidung, Wohnen, Kosten für die Ausbildung, Freizeit, Versicherungen etc. Wenn ein Elternteil die Kinder hauptsächlich betreut, muss der andere Elternteil auch für die das durch die Betreuung der Kinder verursachte finanzielle Manko der Mutter oder des Vaters aufkommen. Unterhaltszahlungen sind eine komplexe Sache – entsprechend wird die Höhe der Beträge kantonal geregelt und bezieht die Bedürfnisse des Kindes, die Lebenssituation der Eltern, die finanziellen Voraussetzungen und die Betreuungskosten (sowohl durch die Eltern wie auch die Fremdbetreuung) mit ein. 

Muss oder soll ich mehr arbeiten?

Je nachdem, wie ihr eure Kinder nach der Trennung oder Scheidung betreut, wirkt sich das auch auf eure berufliche Situation aus. Wer sich allein um die Kinder kümmert, muss allenfalls das Arbeitspensum reduzieren, um die Kinder betreuen zu können. Beim Nestmodell oder dem Wechselmodell kommt vielleicht auch eine Aufstockung des Arbeitspensums oder eine Neuverteilung der Arbeitstage in Frage. Bei allen Modellen müsst ihr euch einigen, ob und wie ihr eure Kinder fremdbetreuen lassen. Möchte oder muss ein Elternteil neu mehr arbeiten, sei es aus karrieretechnischen oder finanziellen Gründen, gehen die Kinder vielleicht öfters in die Kita oder werden von den Grosseltern betreut. Sucht auch hier die beste Lösung für eure Kinder: eine Option, die den Alltag eurer Kleinen möglichst wenig durcheinanderbringt, Stabilität gibt und es für eure Kinder und euch am einfachsten macht, mit der neuen Situation umzugehen. 

Wichtig zu wissen: Wer sich hauptsächlich um die Kinder kümmert und nicht arbeitet, ist gemäss dem Schulstufenmodell verpflichtet, ab der Einschulung des jüngsten Kindes zu einem Pensum von mindestens 50% zu arbeiten, um den unterhaltspflichtigen Elternteil zu entlasten. Als Einschulung gilt je nach Kanton der Eintritt in den Kindergarten oder die Primarschule. Es kann sich also lohnen, wieder in den Berufsalltag zurückzukehren, wenn die Kinder noch klein sind, um schnell wieder im Arbeitsleben zu stehen und den Anschluss so nicht zu verpassen. 

Wie können wir Klarheit schaffen?

Nach einer Trennung gibt es ganz schön viel zu regeln! Besuchsregelungen, Erziehungsverantwortung, Kosten, Erziehungsgutschriften etc. Dafür lohnt es sich, eine Elternvereinbarung zu erarbeiten, in der ihr einvernehmlich all diese Punkte regelt. Die Vereinbarung ist ein freiwilliges Dokument, das ihr zusammen erstellt und unterschreibt. Expert*innen empfehlen, dieses Dokument auch der KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) zur Genehmigung vorzulegen – so könnt ihr mehr Verbindlichkeit schaffen. Pflicht ist diese Genehmigung jedoch nicht. Die Elternvereinbarung bringt nicht nur Klarheit zu Finanzfragen, sondern schafft auch die Grundlage dafür, dass ihr beide in eurem Sinne für eure Kinder sorgt. Wenn eine gemeinsame Lösungsfindung nicht möglich ist, gibt es in den meisten Kantonen kostenlose Beratungs- und Unterstützungsangebote. 

Wo finden wir Hilfe, wenn wir nicht alles alleine schaffen?

Eine Trennung oder Scheidung geht meist nicht innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten vonstatten – mag sie auch noch so einvernehmlich sein. Das neue Familienleben kann für alle eine Herausforderung sein, auch für die Kinder. Umso wichtiger ist es, euch Hilfe und Beratung zu holen, wenn ihr diese braucht. Das kann fachliche Unterstützung sein, zum Beispiel wenn es darum geht, wie ihr euer neues Leben finanziell meistern könnt, oder wenn vertragliche Dinge geregelt werden müssen. Aber auch psychologische Beratung kann in der Phase nach der Trennung oder Scheidung ganz wichtig werden. Paar- oder Familienberatungsstellen sind auch dann Anlaufstellen, wenn ihr euer Familienleben nach der Trennung neu organisieren müsst. Scheut euch nicht davor, Hilfe in Anspruch zu nehmen – davon profitiert nicht nur ihr als Elternteile, sondern auch eure Kinder. 

In schwierigen wie in glücklichen Zeiten kann das Leben richtig herausfordernd sein – besonders in der «Rush Hour of life», wenn sich Partnerschaft, Familiengründung, Karriere und vielleicht auch die Trennung in einer relativ kurzen Lebensspanne abspielen. Wir von Awina stehen euch während dieser Zeit zur Seite.  

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