Träume oder Realität? So stellen sich Kinder das Erwachsenenleben vor

Lebst du dein Leben genau so, wie du es dir als Kind erträumt hast? Wahrscheinlich können diese Frage die wenigstens von uns mit Ja beantworten. Wenn es rückblickend gar nicht mal so schlimm ist, dass wir doch nicht alle Zirkusartistinnen oder Profi-Fussballer geworden sind, gibt es vielleicht doch noch den einen oder anderen Traum, den wir heute verfolgen könnten. Wir schauen, wie sich Kinder heute das Leben als Erwachsene vorstellen – vom Traumjob bis zur Aufteilung der Haushaltsarbeiten – und wie es heute um unsere Träume steht. 

Wer Kinder fragt, was sie mal werden wollen, bekommt selten «Büroangestellter», «Mechanikerin» oder «Bankmitarbeiter» zur Antwort. Stattdessen sprudelt es nur so von fantasievollen Berufen, vielfach beeinflusst von den Erlebniswelten, mit denen die Kinder beim Spielen in Berührung kommen. Aber oft versteckt sich hinter dem scheinbar utopischen Traumberuf bereits ein Interesse, das später bei der Berufswahl wieder zum Vorschein kommt. Wie sieht es hingegen mit dem Familienleben und dem Haushalt aus? Wie stellen sich Kinder ihr Leben als Eltern vor? Die Kinder in unserem Video reden über ihre Ideen für die Zukunft – und erklären, weshalb sie ihre eigenen Kinder auch in die Kita schicken würden. 

Der Traumjob: Gar nicht mal so abwegig

Ob die Kids in unserem Video tatsächlich Zirkusartistin, Fussballprofi und Feuerwehrmann werden? Das wird sich in einigen Jahren zeigen. Währenddessen fragen wir: was ist eigentlich aus unseren Traumberufen geworden? Was sagt unser ehemaliger Traumjob über uns aus? Und gibt es Parallelen zwischen unseren Träumen und der heutigen Realität? 

Darius Notz wusste, dass er sein eigener Chef sein wollte – sei es als Special Agent oder Restaurantbesitzer»

«Ich wollte Special Agent werden. Oder Architekt», blickt Darius Notz auf seine Kinderträume zurück. «Jetzt leite ich mit meinem Bruder zwei Restaurants. Aber meine Traumberufe aus der Kindheit finde ich eigentlich immer noch super!» Was bereits in der Kindheit schon klar schien: das Angestelltentum ist nichts für Darius. «Ich habe das Gefühl, dass ich immer irgendwie wusste, dass ich mal mein eigener Chef sein möchte. Und ein Restaurant zu haben, reizte mich glaube ich aber auch schon immer.» 

Nina Bachmann wollte Schätze ausgraben und erschuf neue Welten

Auch Nina Bachmann ergriff einen Beruf, den sie sich als Kind gar nicht erträumt hatte: Sie war lange als Szenenbildnerin für Schweizer und internationale Produktionen tätig. «Als Kind war mein Traumberuf Archäologin. Ferne Länder und Reisen sind für mich Magie. Ich wollte unbedingt die Pyramiden erforschen und habe mich stattdessen über unseren Garten hergemacht. Zu den Dingen, die ich ausgrub, erfand ich eine Geschichte. Objekte, wie Steine, Scherben und Münzen waren meine Schätze und wurden in einer Blechkiste aufbewahrt. Noch heute trage ich Steine von den Ferien nach Hause. Ich bin wohl eine geborene Sammlerin. Bei meiner Arbeit für historische Filme war es mein Job, die jeweilige Zeit genau zu recherchieren und Requisiten, Möbel und Objekte aus der entsprechenden Epoche zusammenzustellen oder nachbauen zu lassen. Dies hat meinen Forschungsdrang und meine Faszination für alte Dinge befriedigt.» Auch in ihrem heutigen Job ist Nina Bachmann ihrem ehemaligen Traumberuf näher als gedacht: «Seit einem Jahr leite ich den Verkauf und den Innendienst eines grossen Brockenhauses. Wenn wir die vielen Kisten aus einem aufgelösten Haushalt auspacken, ist dies eine Forschungsreise durch ein Leben und irgendwo ist immer ein Schatz dabei.»

Natasha Forster hat ihren Traumjob mit 10 gefunden – und bis heute behalten 

Dass der Traumjob aus der Kindheit kein Traum bleiben muss, zeigt Natasha Forster, die mit zehn Jahren schon Chirurgin werden wollte – und heute als Chirurgin und Fachärztin für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie tätig ist. Trotzdem findet sie: «Traum und Realität unterscheiden sich oft. Zu jeder Traumtätigkeit gehören auch schwierige Aspekte – aber in meinem Fall konnte ich die mit der Freude, die ich an der chirurgischen Tätigkeit habe, kompensieren.»

Angela Berner kümmert sich um süsse Leckereien statt um süsse Tiere

Einen klassischen Kinder-Traumjob hatte auch Angela Berner. Sie wollte Tierärztin werden. Dass das nicht geklappt hat, findet sie gar nicht schlimm: «Ich liebe Tiere und finde es super wenn man etwas Nützliches und Gutes tut. Es ist sicher ein schöner und erfüllender Beruf. Aber sicher nichts für mich. Meine Vorstellung vom Beruf war ziemlich romantisch – das habe ich gemerkt, als wir unseren Hund einschläfern mussten. Statt als Tierärztin habe ich 12 Jahre lang als Modedesigner gearbeitet und bin jetzt Filialleiterin bei Berner by Walter Buchmann und Yogalehrerin». Eine erfüllende Karriere muss also nicht unbedingt bedeuten, einen vermeintlichen Traumjob zu erlernen und diesen bis ans Lebensende fortzuführen – sondern kann auch heissen, sich selbst immer wieder eine Karriere zu gestalten, die den eigenen Interessen und Bedürfnissen entspricht. 

Sich nicht verbiegen – auch als Erwachsene

Dass es mit dem Traumberuf nicht klappt, kann viele Gründe haben – aber, so sind sich die meisten unserer Interviewpartner*innen einig, es muss auch nicht immer der Traumberuf werden. Nina Bachmann zum Beispiel hat gemerkt, dass das Gymnasium nicht zu ihr passt und sie lieber ihrem Freiheitsdrang folgt, eigenes Geld verdient und die Welt entdeckt. Für ihre eigene Tochter wünscht sie sich, dass sie einen Beruf findet und erlernt, der sie zufrieden macht – ob das der aktuelle Traumberuf Tierärztin und Umweltschützerin sein wird, wird sich noch zeigen. 

Darius Notz findet, Kinder sollten früher lernen, was es bedeutet, Geld zu verdienen und was man sich damit leisten kann oder eben nicht. Das könnte Kindern auch dabei helfen, einen Job nicht nur des Geldes wegen zu machen: «Man sollte in der Schule auch lernen, wie man auf relativ einfach Weise (früh) schon mal gut was auf die Seite legen und vermehren kann. So kann man dann auch einen Job wählen, den man einfach gerne machen würde. Ohne sich zu verstellen.»

Natasha Forster weiss, dass der Entscheid für den richtigen Beruf nicht immer einfach sein kann – obwohl sie selbst in ihrem Traumjob arbeitet: «Ich hatte das Glück, durch ein Erlebnis zu meinem Traumjob inspiriert zu werden und dann am Beruf auch in der Realität Freude zu haben. Aber Kinder sollten sich keinen Stress machen und schon gar nicht sich von Aussen (vor allem den Eltern) in eine Berufswahl drängen lassen. Oftmals ergeben sich aus unverhofften Situationen die besten Fügungen – und die erste Ausbildung muss nicht in dem Job sein, den man lebenslang macht.» 

Dass es sich lohnt, in verschiedene Berufe hineinzuschauen, glaubt auch Angela Berner – denn nur so lässt sich auch herausfinden, was man gerne macht und Erfüllung gibt. 

Was für unsere Kinder stimmt, sollte auch für uns gelten. Oder anders gesagt: es lohnt sich auch als Erwachsene, den eigenen Beruf auch mal zu hinterfragen. Das heisst nicht, gleich alles hinzuschmeissen und sofort Formel-1-Fahrerin oder Pilot werden zu wollen. Aber besonders dann, wenn im Leben gerade Veränderungen anstehen – zum Beispiel die Familiengründung oder ein Sabbatical – ist auch der Drang nach einer Karriereänderung da. Willst du vielleicht etwas tun, das mehr deinen Werten entspricht? Oder dich bewusst darauf besinnen, was dir als Kind besonders viel Freude gemacht hat und deine Karriere entsprechend in neue Bahnen lenken? Oder bist du zufrieden mit genau dem, was du machst? 

Träume versus Realität auch im Haushalt 

Die Kinder in unserem Video sind sich sicher: wenn sie mal erwachsen sind und eine eigene Familie haben, werden die Arbeiten im Haushalt gerecht aufgeteilt und beide Elternteile sind arbeitstätig. Aktuell sieht die Realität aber (noch) anders aus. Auch heute wünschen sich viele Paare, in Teilzeit zu arbeiten. Tatsächlich sind es aber vor allem die Frauen, die einen Teilzeitjob haben. Gerade mal 13% aller Paare teilen sich die Erwerbsarbeit heute effektiv auf. Ähnlich sieht es mit den Arbeiten im Haushalt aus. In 60% der Paarhaushalte erledigt vor allem die Frau die Hausarbeit. Bei gerade mal 6% ist vor allem der Mann für den Haushalt zuständig. Frauen übernehmen zudem auch in der Betreuung von Kindern unter 13 Jahren deutlich mehr Aufgaben. Sie sind es, die zuhause bleiben, wenn das Kind krank ist (bei knapp 74% der Haushalte ist dafür «hauptsächlich die Mutter zuständig»), helfen ihnen beim Anziehen (64,5%) oder bei den Hausaufgaben (54,5%). Wie sieht die Realität bei euch aus? So, wie ihr sie euch beide vorgestellt habt? Nicht immer ist es einfach, alles nach den eigenen Idealvorstellungen umzusetzen – besonders nicht dann, wenn wir uns in der «Rush-Hour des Lebens» befinden und alles gleichzeitig haben wollen. Genau dann ist es aber auch wichtig, sich regelmässig gemeinsam zu fragen, ob die aktuelle Aufteilung im Haushalt und in der Kinderbetreuung noch für beide Elternteile so stimmt. Oder ob (auch eine kleine) Veränderung den «Rush-Hour»-Druck vielleicht auch etwas lindern und mehr Zufriedenheit schaffen kann. Wie ihr Prioritäten besonders in der «Rush-Hour des Lebens» richtig setzen könnt, erklären wir euch im Blog.

Das Familienmodell der Zukunft – ohne Kita nicht möglich 

Genau wie sie selbst sollen auch ihre Kids später mal in die Kita gehen, finden die Kids im Video. Schliesslich werden sie da nicht nur betreut, während die Eltern ihrem Beruf nachgehen können, sondern auch gefördert und gefordert. Werfen wir einen Blick in die Realität, werden tatsächlich über 71% aller Kinder unter drei Jahren zumindest zum Teil fremdbetreut. Dabei kommen vor allem die Grosseltern zum Einsatz (40%) und Kitas (33,8%). Wie sich diese Zahl verändern wird, wenn die Kinder aus unserem Video erwachsen sind? Das wird die Zukunft erst noch zeigen – denn damit die Kita-Betreuung für alle Familien möglich ist, ist in der Schweiz zum einen grundlegende Veränderungen nötig, wie Gogo Schumacher, der Gründer der Kimi Krippen und Co-Gründer von Awina, im Interview erklärt. Zum anderen braucht es auch flexible Finanzierungsmöglichkeiten. Wie wir dabei helfen, erzählen wir hier.

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